Filmtip – unbedingt anschauen: “Befreite Unternehmen”

Es gibt sie doch! Menschen, die gerne und motiviert am Morgen zu ihrem Arbeitsplatz gehen. Doch was zeichnet diese Unternehmen aus? Welche Voraussetzungen sind notwendig?

Die Arte-Doku “Mein wunderbarer Arbeitsplatz” zeigt sechs verschieden Beispiele über demokratische – oder “befreite” – Unternehmen. Diese sind von flachen Hierarchien, Flexibilität und Mitbestimmung geprägt. Ich finde spannend, dass die Beispiele von mittelständischen Unternehmen, über das Vorzeige-Unternehmen Gore, bis zur einer belgischen Behörde gehen.

Beeindruckend auch, wie erfolgreich diese Unternehmen sind. Menschlich und wirtschaftlich erfolgreich zu sein schliesst sich nicht aus, sondern gerade weil der Mensch mehr Bedeutung bekommt sind diese Firmen erfolgreich.

Werden sich diese Formen der Zusammenarbeit durchsetzen? Sind sie für alle Firmen möglich?

Meine Überzeugung war bisher immer, dass Familienunternehmen die besten Voraussetzungen haben. Wenn ein Inhaber einen Kulturwandel durchführen möchte, dann kann er dies machen. Bei einer Konzernstruktur ist das schon deutlich komplexer. Auch bei Behörden. Entsprechend hat mich das Beispiel der belgischen Behörde doch sehr positiv überrascht. Es verdeutlicht, dass es von der Führung abhängt solche innovativen Konzepte umzusetzen.

Das der Antrieb, wie beim belgischen Ministerium, die verzweifelte Suche nach kompetenten Nachwuchskräften war, lässt vermuten, dass immer mehr Unternehmen sich mit diesen revolutionären Konzepten auseinandersetzen. Bei denen der Kern ist, Abschied von der autoritären Führung zu nehmen. Der Vorgesetzte ist nicht mehr der, der alles entscheidet, der alles besser kann, sondern der, der koordiniert, der kommuniziert und den Mitarbeiter als Experten wertschätzt. Das klingt so einfach, aber verlangt in vielen Unternehmen eine komplette Neuausrichtung des Führungsstils und eine 100% aktive Unterstützung der Geschäftsführung, sonst werden es nur die berühmten Lippenbekenntnisse. Doch für mich sind diese Entwicklungen kraftvoller, als jedes Employer Branding Konzept. Wenn ich in Vorlesungen von solchen Unternehmen erzähle, wandelt sich auf einmal die Einstellung von Studenten und statt BMW, Apple und  Coca-Cola werden auf einmal unbekannte mittelständische Unternehmen attraktiv.

Gibt es auch Nachteile? Die flachen Hierarchien, die Übernahme von Verantwortung und die zeitliche und räumliche Flexibilität kann manche Menschen überfordern. Sie möchten geführt werden und klare Verantwortlichkeiten haben. Deshalb kann jedes Unternehmen nur seine eigene Kultur der Zusammenarbeit entwickeln. Nach meiner Erfahrung liegt die Kraft auch in der Kombination der “befreiten” Ansätze mit einer lösungsorientierten und wertschätzenden Haltung, um die Individualität des einzelnen zu integrieren.

Anmerkung: Der Film wird am Donnerstag, 26.03.15 um 9:00 Uhr wiederholt und ist dann noch in der Mediathek zu sehen.

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